Zum Tod von Wolfgang Rademann

Die große Freiheit in Schwarz-Weiß

Zum Tod von Wolfgang Rademann

Aus dem alten DDR Fernsehgerät dröhnt blechern die Traumschiffmelodie. Mutti hat Schnittchen gemacht und wir sitzen alle gebannt, mit zugezogenen Gardinen davor und warten, dass Beatrice die ersten Gäste begrüßt. „Aber das dürft Ihr morgen nicht in der Schule erzählen.“ sagt meine Mutter. Obwohl das sicher alle Mütter den Mitschülern geraten haben.

Es waren ganz andere Zeiten in denen ich das Traumschiff sah und die große, weite Welt war für 90 Minuten bei uns zuhause – allerdings in schwarz weiß. Als ich zwanzig Jahre später meine erste Kreuzfahrt machte, sah ich Vieles von dem in Farbe und zum Anfassen. Seither sah ich Orte auf der ganzen Welt und allein in den vergangenen zwei Jahren war ich in Kanada, den USA, im Oman, in Indien und grad jetzt erst im Mittelmeer.

Wolfgang Redemann der Schöpfer des Traumschiffs hat wohl viele Menschen auch buchstäblich aus ihrem Alltag herausgeholt, und das nicht nur mit der MS Deutschland. Jetzt ist der „echte Berliner“, der immer eine Plastiktüte mit seinen wichtigsten Unterlagen dabei hatte, gestorben. Rademann, der den Journalismus von der Pike auf lernte galt später über Jahrzehnte als Quotengarant für das ZDF. Neben dem Traumschiff schuf er die Mutter der deutschen Arztserien, „Die Schwarzwaldklinik“, und wer von ihm gefragt wurde in einem seiner Quotenbringer mitzuspielen, konnte sich geehrt fühlen. Auch wenn zuletzt die kitschigen TV Formate der 70er und 80er Jahre von Vielen belacht wurden, so schreib Redemann doch Fernsehgeschichte.

Für sein Lebenswerk wurde Rademann 2015 mit dem Bambi für sein Lebenswerk ausgezeichnet – die Schwere seiner Krankheit erlaubte ihm nicht diese Ehre persönlich in Empfang zu nehmen. Seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek vertrat ihn und verlas ein paar persönliche Worte Rademanns, die seine „Berliner Schnauze“ im Saal erahnen ließen.

Am Samstag werde ich wieder vor dem Fernseher sitzen, ohne Mutti, ohne Schnittchen und mit aufgezogenen Gardinen. Dann schau ich mir das Traumschiff in Dauerschleife an (DVD Editionen machen es möglich) und vielleicht stelle ich den Fernseher für ein paar Minuten auf Schwarz- Weiß – einfach so.

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